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Mehr Zeit für dich mit der Prio-Liste5 Min. Lesezeit

Vorweg:

Es gibt eine ganze Menge Selbstoptimierungs-Gurus, die dir erzählen wollen, dass du noch mehr aus deinem Leben holen kannst. Trainiere dein Gewinner-Mindset. Check deine E-Mails auf dem Klo. Sei ein Adler, kein Schaf …

Bullshit.

Einige Jahre bin ich dem Erfolg hinterher gehechelt. Bis ich bemerkt habe: Die meisten Erfolgs-Coaches landen früher oder später im Burnout, nehmen Drogen oder sind privat echt unangenehme Leute.

Aber ein paar Methoden funktionieren tatsächlich – wenn auch keine davon ein Zaubermittel ist. Eine dieser Methoden ist die Prio-Liste, die ich vor vielen Jahren kennen gelernt und für mich angepasst habe.

Warum die Prio-Liste so wertvoll ist

Ich halse mir oft mehr Projekte auf, als mir gut tun. Einfach, weil mein Gehirn ständig auf neue Ideen kommt. Aktuell habe ich zwei Romane im Kopf, einen Ratgeber, diverse Landkarten und drei Workshop-Pakete für zuhause – und das ist nur eine Auswahl von Projekten.

Früher habe ich alles gleichzeitig versucht. Ich habe mich verzettelt, habe Deadlines gerissen und mich immer wieder verausgabt. Am Ende kam ein bisschen was bei rum, aber nichts so richtig.

Seit ich die Prio-Liste einsetze, kann ich die Dinge ordnen. Ich konzentriere mich auf das, was gerade wesentlich ist. Vor allem ist die Methode so einfach, dass sie sich nicht wie Arbeit anfühlt. 

So gehts

Schaffe dir einen Raum, in dem du für 20-30 Minuten nicht gestört wirst: Mitmenschen informieren, Fenster und Türen zu, Smartphone aus und außer Sichweite – was dir eben hilft, um bei dir zu sein. Nimm dir ein Blatt Papier und einen Stift. Handschriftlich funktioniert die Prio-Liste am besten.

Schreibe dann alles in Stichpunkten auf, was dich beschäftigt. Sprich:

  • Was für Projekte / Aufgaben / Ideen erledigst du aktuell?
  • Woran denkst du immer wieder (weil du glaubst, dass du dich drum kümmern müsstest)?
  • Denke auch an Aufgaben im Alltag / Menschen, mit denen du eine Beziehung pflegst (auch Beziehungs-Arbeit kann ein Projekt sein)

Schreibe alles in einer Liste herunter. Wenn du meinst, dass du fertig bist, frage dich: Was beschäftigt mich noch? Schreibe alles auf, bis du merkst, dass nichts mehr kommt.

Wichtig: Lasse rechts neben den Stichpunkten etwas Platz

3 Kriterien für deine Projekte

Vergib nun für jedes Projekt Punkte auf einer Skala von 1-10. Schreib die Punkte intuitiv auf. Denke nicht länger als drei Sekunden nach.

Hier sind drei Kategorien, die ich immer anwende. Am besten nimmst du sie dir einzeln vor:

  1. Wieviel Freude macht es mir?*
    Wenn du an diese Sache denkst: Wie sehr freust du dich darauf, Zeit damit zu verbringen? (1) bedeutet »Niemals!«, (10) »Ich kanns kaum erwarten!«

     

  2.  Wie wichtig ist das Projekt für mein Leben?
    Wenn du dir vorstellst, du würdest am Ende deines Lebens auf diese Situation zurückschauen: Wäre dir diese Sache egal (1) oder wärst du enttäuscht, wenn du es nicht zu Ende gebracht hättest (10)? Vielleicht hast du dir auch schon wichtige Ziele im Leben gesetzt. Dann frag dich: Wie sehr dient diese Sache meinem Ziel? Sei dabei ehrlich.

  3. Optional: Wie dringend ist dieses Projekt?
    Ich empfehle, in dieser Kategorie 1-5 Punkte zu vergeben. Kannst du das Projekt auf unbestimmte Zeit verschieben (1)? Oder muss es in den nächsten Tagen erledigt werden (10)?
Rechne am Ende die Punktzahlen für jedes Projekt einzeln zusammen.
 
*In der ursprünglichen Version dieser Übung war Freude kein Thema. Dabei ist sie ein wichtiger Motor, um Ziele zu erreichen. Ganz nebenbei hilft sie auch gegen Burnout (vereinfacht gesagt). Ohne Freude landest du im Erfolgs-Hustle-Moshpit der Traurigkeit. Und wer hat eigentlich festgelegt, dass das Vergnügen erst nach der Arbeit kommt?

Sortiere gnadenlos aus

Jetzt kommt der schwierigste Teil: Suche die 5 am höchsten bewerteten Punkte heraus. Womöglich kannst du auch ein paar Dinge zusammenfassen (z.B. zu »Haushalt« oder »Selbstliebe«). Am Ende sollten es aber nicht mehr als 5 Projekte sein.

Das ist dein Fokus. Nur das. Alles andere ist Nebensache. Einerseits, weil es dir ansonsten Energie zieht (Kategorie »Freude«) oder weil es dich nicht weiterbringt (Kategorie »wichtig«).

Schreibe dir deine Fokus-Punkte auf einen Zettel und klebe ihn dorthin, wo du ihn täglich siehst, z.B. im Schlafzimmer oder an deinen Arbeitsplatz. Wenn dir ein neues Projekt ins Bewusstsein flattert, schau auf den Zettel und frage dich: Gehört das dazu?

Nein? Dann sage das Projekt ab. Oder verschiebe es auf später. Keine Ausreden!

Mach dir klar: Diese Projekte sind dir wichtig und sie erfüllen dich mit Freude. Niemand hat gesagt, dass du das machen sollst, außer dir. Also darfst du für dein Glück einstehen, darfst Leuten absagen (auch wenns ungewohnt ist) und dir einen Freiraum schaffen für das, was dein Leben bereichert.

So setzt du die Prio-Liste im Alltag um

Lege dir einen bestimmten Zeitraum fest, in dem du die 5 Fokus-Punkte testest. Konzentriere dich mal eine Woche oder einen Monat lang nur auf diese Projekte. Dann kannst du evaluieren, was für dich gut geklappt hat und was nicht.

Mach dir klar: Alles braucht Übung.

Du wirst lernen, Nein zu sagen – zu dir und zu anderen. Diesen Teil kann dir keine Methode der Welt abnehmen. Vielleicht müssen sich alle erst einmal daran gewöhnen, dass du jetzt Prioritäten setzt. Lass dich nicht abbringen. Es ist für etwas Gutes: für dich.

Fazit

Die Prio-Liste kann helfen, Ordnung in deine Ideen zu bringen. Gleichzeitig kann sich im Altlag natürlich immer was verschieben. Nutze diese Methode weise, ohne dich zu beschummeln und ohne dich fertig zu machen. Am Ende gehts doch darum, dass wir einigermaßen zufrieden mit uns sind, oder?

Wenn du noch Fragen oder Anmerkungen hast, schreib sie gern in die Kommentare. Ansonsten wünsche ich dir viel Freude beim Aussortieren.

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