Zum Inhalt springen

Wie Meditation mich vor dem Burnout gerettet hat

Mein Zusammenbruch hatte sich einige Wochen zuvor angekündigt. Ich dachte noch, das würde schon wieder vorbei gehen. Wahrscheinlich war ich einfach müde und etwas überarbeitet.

Als der Druck auf der Brust zunahm, bekam ich Angst: „Scheiße, ein Herzinfarkt! Und das in meinen jungen Jahren…“ Trotzdem ging ich weiter arbeiten. Es konnte einfach nicht sein. Es durfte nicht sein. Ich musste doch weiter funktionieren.

Ich war unverzichtbar auf der Arbeit, wo ich 190 Stunden im Monat verbrachte. In der Freizeit spielte ich die Hauptrolle in einem Theaterstück, nahm Klavierunterricht und versuchte auch noch, meine damalige Freundin zufrieden zu stellen. Ständig wollte jemand was von mir und ich dachte jedes Mal: „Komm, diese eine kleine Sache bekommst du auch noch hin. Schließlich schaffst du ja schon so viel!“

Dann kam der Crash.

Ich stand auf der Beerdigung meines Opas und wunderte mich, dass alles einfach nur an mir vorbeizog. Meine Mutter und meine Oma weinten. Aber ich fühlte nichts. Wie selbstverständlich ging ich danach zum Spätdienst ins Krankenhaus – noch im schwarzen Anzug mit Krawatte.

Auf den Spätdienst folgte ein Frühdienst, den ich nie vergessen werde. Nach einem kurzen Wechsel ist man ja immer etwas müder. Aber diesmal war es anders. Ich stand völlig neben mir. Ich bewegte mich wie durch Sirup, während die Zeit an mir vorbei raste.

Ich hatte sogar Routine-Aufgaben vergessen. Ich stand vor den Infusions-Flaschen und wollte Antibiotika aufziehen. Doch mein Kopf konnte sich nicht mehr an den Ablauf erinnern.

Das Schlimmste war aber das schlechte Gewissen.

Es war mir unglaublich peinlich, nicht mehr zu funktionieren. Also versuchte ich, möglichst so zu tun, als sei alles in Ordnung. Niemand sollte bemerken, was mit mir los war.

Natürlich bemerkten meine Kolleginnen, dass ich völlig planlos über die Station lief. Zum Glück merkten sie es. Im Nachhinein klingt es absurd: Von alleine wäre ich nicht auf die Idee gekommen, nach Hause zu gehen. Erst meine Kolleginnen konnten mich dazu überreden. Ich wehrte mich noch. Aber mein Widerstand schmolz dahin. Ich hatte keine Kraft mehr, für gar nichts.

In der Bahn nach Hause brach dann die Erkenntnis über mich herein: Ich hatte mein Leben nicht im Griff. War ich schon im Burnout? Egal, ich brauchte Hilfe, ganz dringend. Und ich hatte Angst, ernsthaft krank zu werden. Was konnte ich also tun? Es würde nicht reichen, mich einfach aufs Sofa zu hauen und ein paar Stunden zu schlafen. Am nächsten Tag würde ich wieder in denselben Stress-Tunnel laufen.

Ich musste grundlegend etwas anders machen. Aber was?

Eine Stimme in mir meldete sich zu Wort, ein Teil von mir, den ich lange ignoriert hatte. Es war der Teil, der immer wieder meinte, ich solle mich doch mal ausruhen oder ein Projekt ablehnen. Ich hatte es nicht hören wollen, war immer weiter in den Stress-Tunnel gerannt, getrieben von etwas, das ich erst später erkennen sollte. Nun war ich offen. Und meine innere Stimme übernahm die Führung.

In Essen gibt es ein Buddhistisches Zentrum. Mit der Schule bin ich einmal dort gewesen und habe zum ersten Mal bewusst meditiert. In diesem Moment in der Bahn erinnerte ich mich an das Zentrum. Auf der Website fand ich heraus, dass sie eine Mittags-Meditation anboten – und dass ich es noch gerade rechtzeitig schaffen konnte.

Ich betrat das Zentrum mit einer Mischung aus Vorfreude und Scham.

Ich hatte mir eingestanden, dass ich mich verrannt hatte. Das tat weh. Gleichzeitig fühlte ich mich so geborgen in diesen Räumen, wo die Menschen so friedlich und entspannt miteinander umgingen. Alles durfte einfach sein, ich durfte einfach sein.

Wir meditierten gemeinsam die Metta Bhavana. Das ist eine Meditation, in der man sich selbst und anderen so etwas wie wohlwollende Aufmerksamkeit schenkt. Da merkte ich, wie sehr ich mich vernachlässigt hatte. Mein Körper und mein ganzes System hungerten danach, endlich mal beachtet zu werden. Ich unterdrückte die Tränen, die aufstiegen. Es waren Freudentränen.

Von da an lief einiges anders in meinem Leben.

Ich sortierte Projekte aus, reduzierte meine Stelle, meditierte regelmäßig im Buddhistischen Zentrum und beschäftigte mich damit, wo psychischer Stress herkommt und wie ich mich dauerhaft entspannen kann.

Gerade Meditation ist dabei ein wichtiger Baustein in meiner Tagesroutine geworden. Durch die regelmäßige Übung lerne ich, mich selber besser zu spüren. So setze ich schneller Grenzen, wodurch ich gar nicht erst in eine Überforderung komme. Ich mache weniger Fehler und bin insgesamt einfach glücklicher.

_______

Hast du schon einmal meditiert? Teile deine Erfahrungen gern in den Kommentaren.

Gönne dir eine Mini-Auszeit mit dieser Achtsamkeits-Meditation:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner