Der Sinn

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Der Sinn

Ich kopiere die Gefühle, die Gedanken, Geschichten,
Höre euch von eurem Leben, eurem Leiden berichten.
Ich kopiere, was ihr sagt, was ihr flüstert, was ihr schreit –
„Littera scripta manet“: Nur wer schreibt, der bleibt.

Ihr fragt mich was wahr ist, von dem was ich hier sage.
Auf die Antwort wartet ihr wohl bis ans Ende aller Tage,
Denn wahr ist, was echt ist und das ist nichts.
Wer das irgendwann kapiert hat, trägt ein Lächeln im Gesicht.

Nein, hört mir zu: Wer die Wahrheit kennt,
Ist der, der nie eine Gelegenheit verpennt,
Der dafür brennt, so zu sein, wie kein anderer ist,
Der niemals schläft, sondern ein Wanderer ist,

Der nur verweilt um zu verweilen und nicht um zu chillen
Nicht zu verpeilt ist um zu peilen seinen eigenen Willen
Über alles zu stellen, Vorurteile zu fällen
Wie morsche alte Bäume, ganze Wälder voll Hass.

Ich glaube fast, ich träume, nein, das wär‘ schon zu krass
Wenn die Welt sich weiter dreht, wir aber Stillstand proben,
Uns trau’n, uns selbst für unser Dasein zu loben
Und dabei stolz auf uns sind, weil wirs dürfen und nicht müssen.

Vergesst nur euer ewig altes schlechtes Gewissen,
Denn es bringt euch nicht weiter, wenn ihr euch begrenzt.
Wenn ihr statt euch zu feiern einfach weiter faulenzt
Und euer Leben verpennt, ihr lieber geht anstatt rennt,

Weil ihr Angst habt, euer Ziel zu erreichen.
Was, wenn mein tiefster, inn’rer Wunsch erfüllt wird?
Was, wenn mein halbes Glas voll Wasser gefüllt wird?
Ich sehe euch aus Angst vor der Antwort erbleichen.

Denn in euren Köpfen ist das volle Glas schon leer,
Als gäbe es hier kein‘ Wasserhahn zum Nachfüllen mehr.
Vor dem ersten Schluck seht ihr schon auf das Ende
Und legt stattdessen lieber eure frommen kleinen Hände

In den Schoß, seid nicht groß, sondern klein so klein,
Sagt euch: „Nein, lass das sein!“ und redet euch ein,
Dass ihr nicht wachsen dürft?

Doch wer nach Gold nicht schürft,
Der wird Gold auch nicht finden.
Ihr werdet irgendwann verschwinden.

Glaubt ihr?

Glaubt ihr, dass es weiter geht,
Wenn ihr zu Staub zerfallen seid
Und dieser Staub verweht
Über den Meeren der Zeit?

Glaubt ihr an ein Leben nach dem Tod?
Auf ’ner Wolke sitzen,
Harfe zupfen
Und alles im Lot?

Ich glaube nicht daran,
Aber ich weiß,
Dass ich unsterblich sein kann.

Mein Körper wird vergehen,
dessen bin ich mir klar
Und auch mein Geist wird nicht mehr der sein,
Der er früher noch war

Und genau deshalb bin ich Schreiber,
Meißel Texte in Stein,
Als meine Freunde alle high war’n
Zog ich Bücher mir rein,

Um ihre Worte auszumessen,
Sie in neue Form zu pressen
Und vielleicht diesen einen Text zu hinterlassen.
Diesen einen, kleinen,
Über dem mein Name prangt,
Auch wenn meine Knochen längst verblassen.

Worte, die Menschen bewegen
Und die sie ihr Leben lebenswerter leben lassen.
Auch wenn sie meine Texte hassen,
Bin ich noch präsent,
Wenn mein Leben längst beendet ist.

Was bleibt?

Es wird Zeit, anderen Träumen
Den Platz zu räumen.
Doch dieses eine lasst euch noch gesagt sein:
Auch ihr hinterlasst ’nen Abdruck,
Sei er groß oder klein.

© 2014 Florian Eichhorn

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