Du willst schreiben, aber dir fehlen die Ideen? Ab jetzt gibts keine Ausreden mehr! Lass dich von diesen 11 Übungen zu neuen Texten inspirieren und verbessere deine Schreib-Skills.
Du brauchst: ein Blatt Papier bzw. einen Block, deinen Lieblingsstift und mindestens 3 Minuten Zeit. Und ja, auch etwas Mut, es wirklich anzugehen. Bist du bereit? Dann los!
01. Freies SChreiben
Hast du ein paar Minuten Zeit? Schnapp dir ein Blatt Papier (Block, Notizbuch o.ä.) und deinen Lieblingsstift. Stell dir dann einen Timer auf 7 Minuten (oder 3 oder 5 oder 10 – Hauptsache, du legst los).
Während der Timer läuft, schreibst du einfach. Du überlegst nicht. Du korrigierst nicht. Du folgst einfach dem Strom deiner Gedanken, auch wenn sie erst einmal keinen Sinn zu ergeben scheinen. Und wenn du nicht weißt, was du schreiben sollst, beginne mit: »Ich weiß nicht, was ich schreiben soll. Das finde ich …«
Diese Übung macht locker und hilft gegen Perfektionismus. Manchmal entstehen auch Ideen für weitere Texte.
02. Den Anfang klauen
Der Anfang ist oft der schwerste Teil einer Geschichte. Also mach es dir leicht: Schlage ein zufälliges Buch auf und nimm den ersten Satz als den ersten Satz deines Textes. Du kannst natürlich auch einen zufälligen Satz aus der Mitte nehmen.
Schreibe dann von diesem Anfang aus los. Wenn du das Buch gut kennst: Versuche, den Satz losgelöst von der ursprünglichen Geschichte zu betrachten. Denn du willst schließlich etwas Neues schreiben.
03. Kaskadenfragen
Kennst du diese nervigen Dreijährigen, die immer »Warum?« fragen? Sei dieses Kind!
Starte mit einer Sache, die dir im Kopf herumschwirrt. Oder etwas, das dir gerade jetzt ins Blickfeld huscht. Frage dich: Warum ist das so? Schreibe die Antwort auf. Dann betrachte die Antwort und frage dich: Warum ist das so?
Du siehst, worauf das hinausläuft. Die Fragen führen dich immer weiter zurück. Dabei darfst (und sollst) du natürlich herumspinnen. Stell Verschwörungstheorien auf. Spekuliere über Magie und Fabelwesen. Mach jemanden verantwortlich.
Daraus lässt sich auch prima eine Mystery-Geschichte machen. Wenn die Ereigniskette interessant genug ist, kannst du jemanden losschicken, um z.B. das Geheimnis des mysteriösen Kaffeeflecks aufzuklären.
04. Schneeflocken-Methode
Von der Schneeflocke zum Schneeball zur Lawine: Beginne mit einem kurzen Satz. Das kann die Idee zu einer Geschichte sein oder gleich eine Zusammenfassung.
Beispiel: »Tim und Anton verlieben sich auf der Kirmes« oder »Die Aliens griffen die Stadt an, konnten aber zurückgeschlagen werden« oder »Der Schatz liegt im dichten Dschungel vergraben«.
Schreibe als nächstes einen Absatz, vielleicht eine halbe Seite. Versuche dabei, die Geschichte grob zu umreißen.
Als nächstes nimmst du dir 1-2 Seiten vor. Hier kannst du die Handlung detailliert ausschmücken.
Tipp: Wenn du nicht weiterkommst, pflücke die einzelnen Elemente auseinander. Frage dich z.B. »Wer genau ist Tim? Was macht ihn aus?« oder »Wie haben sich Tim und Anton kennen gelernt? Was ist vorher passiert? Was folgt daraus?« oder »Was genau kann man auf der Kirmes sehen, riechen schmecken … ?«
05. Eindampfen
Viele Autor*innen neigen dazu, unwesentliche Details zu beschreiben. Das Eindampfen trainiert deine Fähigkeit, Texte aufs Wesentliche zu reduzieren.
06. Mit allen Sinnen
Beschreibe eine Szene oder das, was du gerade erlebst. Gehe dabei auf alle Sinne ein (Sehen, Hören, Riechen, Fühlen, Schmecken). Frag dich: Was kann ich (bzw. meine Hauptfigur) gerade wahrnehmen?
Lebendige Sinneseindrücke helfen, dass deine Texte noch erlebbarer werden. Mach diese Übung am besten regelmäßig im Alltag. So findest du Alternativen zu den gängigen, ausgelutschten Bildern (z.B. »schneidende Kälte«).
07. Die Lupe draufhalten
Noch eine Detail-Übung: Beschreibe eine Handlung im Alltag. Das kann aus deinem Leben sein oder aus dem Leben einer deiner Figuren. Baue dabei möglichst viele Kleinigkeiten ein (denk an die Sinneseindrücke!).
Beispiel Zähneputzen: »Ich gehe zum Waschbecken, nehme meine Zahnbürste aus dem Glas, drehe den Deckel der Zahnpastatube auf und drücke etwas Paste auf die Borsten der Zahnbürste …«
Dann suchst du dir eines dieser Details und hältst die Lupe drauf. Sprich: Du schreibst jetzt nur über dieses einzelne Element, auch wieder so detailliert wie möglich.
Beispiel: »Das Waschbecken ist fleckig vom Kalk, garniert mit einigen Zahnpasta-Spritzern. Die vielen Macken zeugen von einem langen Gebrauch …«
Du kannst so tief reinzoomen, wie es dir Spaß macht. Mit dieser Übung trainierst du deine Fähigkeit, Dinge zu beschreiben. Welche Details es später in deinen fertigen Text schaffen, findest du vielleicht mit der Übung »Eindampfen« heraus.
08. neuauflage
Welche Geschichte müsste mal wieder aufpoliert werden? Egal ob es ein alter Roman ist oder ein Film aus den 80ern: Warte nicht, bis es jemand anders tut. Schreib selbst die Neuauflage!
Wie würde z.B. Rotkäppchen in unserer Zeit ablaufen? Was sagt der Jugendschutz dazu, dass die Mutter ihr minderjähriges Kind mit einer Flasche Wein losschickt? Warum kümmert sich nicht der Pflegedienst um die Großmutter? Macht das Mädchen einen Live-Stream für TikTok aus dem Bauch des Wolfes, wodurch der Jäger alarmiert wird? Spinn gerne ein bisschen herum.
09. Genre-Tausch
Wie klingt Schneewittchen als Krimi? Oder Romeo und Julia als Western? Oder Frankenstein als kitschige Liebesgeschichte?
Such dir ein Genre aus (oder zieh es zufällig). Überlege dir, was die Merkmale sind. Wie sprechen die Charaktere? Wie verläuft die Handlung? Was für Elemente sind typisch für das Genre?
Dann schreibe eine bekannte Geschichte (z.B. ein Märchen) in diesem Genre um. Wie bei allen Übungen gilt: Es muss nicht perfekt werden. So oder so lernst du was auf dem Weg.
10. Genre-Mashup
Ähnlich, aber doch verschieden: Such dir zwei Genres aus (oder ziehe sie zufällig). Dann mische diese Genres miteinander. Heraus kommt z.B. ein SciFi-Krimi, eine Western-Romanze oder ein biografischer Thriller.
Schreibe dann eine kurze Geschichte, in der du versuchst, diese beiden Genres miteinander zu vereinen. Vielleicht kommt dir dabei eine Idee, die du weiter verwenden kannst.
11. Fortsetzung
Wenn George R.R. Martin nicht aus den Puschen kommt, musst du selbst ran: Schreibe eine Fortsetzung zu einer Geschichte, die du magst. Das kann ein Roman sein, ein Film oder eine Serie. Vielleicht möchtest du einem Charakter auch ein eigenes Spin-Off geben.
Lass deiner Fantasie freien Lauf, während du auf eigenen Pfaden die Welt erkundest und ausbaust – eine klassische Fan-Fiction. Oder du korrigierst etwas, das dir in der ursprünglichen Geschichte nicht gefällt.
So ist George R.R. Martin übrigens auch auf Westeros gekommen: Er hatte ein paar Kritikpunkte an Tolkiens Mittelerde und wollte eine eigene Welt erschaffen.
Fazit
Wenn du jetzt keine Ideen zum Schreiben hast, weiß ich auch nicht weiter. Leg am besten direkt los. Keine Ausreden!
Schreib mir gern in die Kommentare, was deine Lieblingsübung ist. Brauchst du weitere Ideen oder einen direkten Anstoß von Mensch zu Mensch? Dann komm in meine Schreibwerkstatt ins Unperfekthaus.
