Ein Tropfen im Meer

Ich mag das Bild von einem Meer. Ständig gibt’s irgendwo Wellen, kleine und große. Manche verbinden sich, bäumen sich auf und platschen gegen irgendeinen Strand oder Felsen. Dann scheint es wieder ruhig zu sein, bis die nächste Welle anrollt. Für einen kleinen Tropfen muss das ein ungeheures Durcheinander sein. Man wird hin- und hergeschleudert, bekommt kurz die Sonne zu sehen, bevor man wieder in die Tiefe gerissen wird. Wie soll man da nicht durchdrehen? So mancher Tropfen träumt sicher davon, in irgendeinem Wasserglas zu sitzen, ganz still und ruhig. Von da aus kann man seinen Kameraden zusehen, die sich im Meer abkämpfen, ohne jemals irgendwo anzukommen.

Das ist eine Perspektive.

Wenn ich das Meer als Ganzes betrachte, sehe ich die Schönheit, die faszinierend-dunkle Tiefe, das Glitzern der Gischt, die sich an Felsen bricht. Die Wellen, die aus der Nähe so wild und bedrohlich scheinen, fügen sich mit etwas Distanz ein in den Tanz des Wassers, das mit sich selber spielt. Mit diesem Blick faszinieren mich die Felsen, die das Meer über Jahre und Jahrtausende abgetragen und zu Sand gemahlen hat. Ich betrachte ein Flussbett, wo Wasser sich einst aufmachte, einen Weg zum Meer zu graben. Aus dieser Perspektive macht alles Sinn. Ich empfinde eine tiefe Lust, Teil dieses Spiels zu sein, das man Leben nennt. Auch wenn es bedeutet, manchmal zu vergessen, dass alles miteinander verbunden ist und ich mich fühle, als sei ich nur ein kleiner Tropfen im Meer.

Beitragsbild von Kristopher Roller auf Unsplash.com

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