Wie Schandmaul mich zu meinem Roman inspirierte

Ich hatte nicht vor, diesen Roman zu schreiben. Eigentlich wollte ich nie wieder etwas schreiben, nachdem mein vorheriges Projekt – naja, sagen wir mal, ich steckte in einer fetten Schreib-Blockade. Und dann hörte ich dieses Album: Wie Pech & Schwefel von Schandmaul. Die Folk-Rocker waren damals meine absolute Lieblingsband und das Album gehört immer noch zu meinen Favoriten. Weil es so wundervolle Geschichten erzählt, jede einzigartig und doch irgendwie aus einem Guss. Schandmaul eben. Als die CD bestimmt schon die zwanzigste Runde machte, packte mich eine dieser Geschichten besonders.

Stein des Anstoßes: „Tyrann“

Der Song „Tyrann“ erzählt von einem grausamen Herrscher, der jeden durch seinen Blick zu Stein verwandelt. Erst ziehen die Männer des Landes aus, um ihn zu stürzen. Doch sie kehren nicht zurück. Also machen sich die Frauen auf – und bleiben ebenfalls fort. Es scheint ausweglos zu sein. Die Macht des Tyrannen ist einfach zu stark. Oder vielleicht doch nicht?

Und schließlich war’s ein Mädchen zart
Den Berg des Unheils zu erklimmen
Mitleid war’s, was sie empfand
Stehend unter kalten Mauers Zinnen.

Sie berührte Tür und Tor
Gleich einem Sonnenstrahl
Wärme füllte jenen Ort
Und das Schloss zu Staub zerfallen war.

– aus „Tyrann“ von Schandmaul.

Diese Auflösung berührte mich zutiefst. Was war das für eine Geschichte, in der nicht Waffenstärke entscheidend war, sondern Liebe! Doch die Geschichte hatte einen Haken: Sie war zu kurz. Ich spürte, dass in der Essenz dieser Geschichte das Potenzial für ein ganzes Buch lag. Ich kritzelte ein paar Notizen auf ein Blatt Papier. Mehr war zu dem Zeitpunkt nicht drin. Aber ich wusste, dass ich irgendwann eine längere Geschichte aus dieser Idee stricken würde. Vielleicht sogar einen Roman.

Never Ending Story

Die Geschichte ließ mich nicht mehr los. Aus dem Mädchen wurde ein Junge – Nadjan. Aber der Kerngedanke blieb: Wie kann man einen Herrscher stürzen, ohne Gewalt anzuwenden? Natürlich hätte ich einfach das mystische Ende aus „Tyrann“ übernehmen können. Allerdings wollte ich, dass meine Geschichte Sinn machte. Und irgendwie wurde mir die Nummer mit dem Sonnenstrahl auch ein bisschen zu kitschig.

Ich klebte mir aus Papier ein Storyboard zusammen, das eine ganze Zimmerseite lang war. Die ersten beiden Dritten der Geschichte füllte sich immer mehr mit Notizen und Skizzen. Das Ende blieb unklar. Ich wusste, wie es passieren sollte, aber noch nicht genau, was. Mein Hauptproblem war, dass die meisten Konflikte in Büchern, Filmen und Serien durch einen Kampf entschieden wurden. Wenn ich an meine Kindheits-Helden zurück denke, haben die oft coole Ideen gehabt, aber im Grunde gings darum, den Gegner physisch zu übertrumpfen. Entweder im richtigen Zweikampf oder durch einen technischen Vorteil.

Irgendwann erkannte ich: Ohne Ende gings nicht. Ich setzte mich also hin und überlegte, entwickelte verschiedene Ansätze, wog sie gegeneinander ab und entschied mich dann für den, der mir am plausibelsten erschien. An dieser Stelle verrate ich nicht, wie es ausgeht. Aber soviel kann ich sagen: Ich bin dem ersten Impuls treu geblieben.

Weitere Einflüsse

Nicht nur „Tyrann“ ist in den Roman eingeflossen. Wer sich die Songs auf Wie Pech & Schwefel genauer anhört, wird einige Parallelen zu Niut Pet finden. Manches davon ist offensichtlich („Das Duell“), von anderen Dingen wird noch zu sprechen sein („Der Stein der Weisen“, „Drachentöter“). Auf jeden Fall haben die folkigen Erzählungen so manche Inspiration geliefert, auch wenn die Geschichten selbst gar nicht mehr im Roman aufgetaucht sind.

Daneben habe ich auch einen Song von unserer damaligen Band City in the Sky verarbeitet: „Lucid Dreams“. Darin ging es darum, sich seines Traumes bewusst zu werden und ihn zu gestalten. Das Klarträumen habe ich damals auch trainiert, mit mäßigem Erfolg. Vor allem aber war damals schon mein Thema: Was ist eigentlich Realität? Woher weiß ich, dass ich nicht gerade träume? Und wenn ich mir überlege, dies hier wäre (m)ein Traum, darf ich ihn dann nicht nach meinem Wunsch gestalten? In Niut Pet geht es immer wieder darum, zu träumen, sich dann aber auch wieder klar zu machen, wo der Traum zur Täuschung wird.

Insgesamt habe ich sieben Jahre gebraucht, bis ich den ersten ernsthaften Versuch gewagt habe, den Roman zu schreiben. Drei Jahre später war er fertig, nach insgesamt zehn Jahren Planung, Verzweiflung, kreativer Ekstase und nächtelangem Korrekturlesen. Nebenher ist eine ganze Welt entstanden, aus der ich nach und nach weitere Geschichten erzählen möchte. Mit etwas Glück wirds dann auch nicht mehr ganz so lange dauern 😉

Wenn du neugierig geworden bist, kannst du meinen Roman „Niut Pet, die Himmelstadt“ hier kaufen.

Das Album
Wie Pech & Schwefel von Schandmaul findest du hier auf Spotify. Vom Song „Tyrann“ gibts außerdem eine wunderschöne akustische Version vom Kunststück-Album.


Credit: Das Beitragsbild stammt von der Büro Monaco GbR

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